Post und Mr. Green: Leerfahrten sinnvoll nutzen

Richtig gute Innovationen entstehen oft schlicht aus der Verknüpfung von Vorhandenem. Es gilt ein Bedürfnis zu erkennen und aus einer vorhandenen Ressource, einen Mehrwert zu schöpfen. Ein Beispiel: Während die Post Sendungen an Haushalte ausliefert, holt Mr. Green an gleicher Stelle Wertstoffe ab. Da kreuzen sich zweier Wege – die in einem Test Case eine Symbiose ausprobiert haben.


Ein Gespräch mit Valentin Fisler (VF) von Mr. Green und Christoph Gfeller (CG) von der Schweizer Post AG über das Test-Projekt.


Was ist neu am Modell von Mr. Green?

VF: Der Recycling Service von Mr. Green macht aus einer Last eine Lust. Und sorgt für eine höhere Recyclingquote. Das Konzept: Konsumenten sammeln ihre Wertstoffe zuhause bunt gemischt im grünen Bag. Am Abholtag werden diese vor der Haustüre oder direkt im Büro abgeholt. Anschliessend werden sie, unter Einbindung von Menschen mit Beeinträchtigung oder schwierigem Lebenslauf, von Hand sortiert und an Schweizer Recyclingorganisationen weitergegeben. Der Service nimmt den Konsumenten sowohl das Sortieren als auch das lästige Schleppen ab. Wir lösen ein Problem der Konsumenten, statt zu versuchen, sie zu erziehen. Dank dem einen Sack für Alles, können wir auch Wertstoffe sammeln und dem Recycling zugeben, die bis anhin in der Verbrennung landen. Das sind zum Beispiel Plastikfolien, Getränkekartons oder Korkzapfen.


Die Post kennen wir vor allem als Zustelldienst. Wie ist das Pilotprojekt mit Mr. Green entstanden?

CG: Meist verbindet man die Post in erster Linie mit Briefen oder Paketen. Allerdings sind wir schon seit einigen Jahren in einem erweiterten Geschäftsfeld für Dienstleistungen auf der Letzten Meile tätig. Dort erbringen wir Services im Auftrag von Geschäftskunden. Etwas, bei dem wir sicherlich auch einen attraktiven Mehrwert im Bereich Kreislaufwirtschaft bieten können. Aus diesem Gedanken heraus ist eine probeweise Zusammenarbeit mit Mr. Green entstanden: Wir wollten Synergien nützen und testen, ob wir auf der täglichen Tour, neben der Briefezustellung, auch gleich Säcke mit Wertstoffen abholen können.

VF: Die Idee war eine Win-Win-Situation für alle: Die Post nutzt mehr Kapazitäten und füllt auch Leerfahrten clever aus, während Mr. Green einen Abholservice on-demand im Service-Spektrum möglich macht.


Was wurde getestet?

VF: Wir haben eine App zur Kommunikation entwickelt und in Zürich Oerlikon ein Testgebiet für unsere Kunden definiert. Auch für die Abholung auf Anfrage haben wir ein Tool entwickelt, mit dem sich die taggenaue Abholung zurückverfolgen liess.

CG: Für die Abholung der Säcke wurde bei uns ein neues System für unsere Elektroroller ermöglicht. Dafür mussten wir ziemlich tüfteln, bis wir die Lösung hatten: Die Säcke wurden in einem speziellen Behältnis transportiert, das wie eine Hängematte über dem Anhänger schwebte (vgl. Bild). Die Machbarkeit haben wir sowohl logistisch und organisatorisch getestet als auch im Hinblick auf Menge, Nachfrage und wirtschaftliche Rentabilität.

VF: Und wir haben dann die Säcke in den einzelnen Postfilialen abgeholt.

Was ist rausgekommen? CG: Es hat reibungslos funktioniert. Die Abholungen liefen super und die Synergien konnten optimal genutzt werden. Eine Herausforderung stellte nur teilweise zerbrochenes Glas in den Säcken dar.

VF: Und unsere Kunden hatten am Angebot grosse Freude.

CG: Dieses Testprojekt spiegelt wider, wie sich auch andere Dienstleistungen im Bereich der Kreislaufwirtschaft zunehmend etablieren. Inzwischen sammelt die Post beispielsweise gebrauchte Kaffee-Kapseln aus Aluminium, alte Router und TV-Boxen sowie PET-Flaschen im Auftragsverhältnis ein. Und wir testen laufend weitere Wertstoffsammlungen und Synergien. Der Test mit Mr. Green hat uns bestärkt, weiter in den Innovationsprozess einzutauchen. So sammeln wir Erfahrungen und können die Erkenntnisse in künftige Projekte einfliessen lassen.


Und wie geht’s weiter?

VF: Mr. Green wird sich auch zukünftig vermehrt für die Abfallvermeidung engagieren und sich einsetzen, um vorhandene Ressourcen optimal auszuschöpfen.

CG: Der erfolgreiche Test ist abschliessend in den strategischen Prozess der Post eingeflossen. Wir wollen auch weiterhin unser flächendeckendes Logistiknetz nutzen und mithelfen Kreisläufe zu schliessen.


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